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China der Megatrend – ein Vortrag

Der Vortragende Thomas Brandt

Die Lions Obernburg hatten am Donnerstagabend in das Wika Innovationszentrum nach Trennfurt eingeladen. Das Thema und die Rahmenbedingungen des Vortrags mit dem Titel „China und Chinesen – Megatrend unserer Zeit“ mit dem Volkswirt Thomas Brandt hätten mehr als die gut 150 interessierten Zuhörer verdient gehabt.

 
Brandt, 1966 in Hamburg geboren, gilt als Asienexperte mit zahlreichen Publikationen, hat mehr als 30 Jahre deutsche Unternehmen beim Markteintritt in Asien beraten, und ist für seine Vorträge und Seminare weltweit geschätzt.
Eingeladen hatte ihn schon vor fast zwei Jahren Jochen Weikert, amtierender Präsident der Lions Obernburg, der als promovierter Politikwissenschaftler viele Jahre als Projektleiter in der Entwicklungszusammenarbeit in Indien, China, den USA und Lateinamerika gearbeitet hat, bevor er heute mit seiner Fa-milie wieder in seinem Geburtsort Eschau lebt und sich dort engagiert.

Brandt fand zwei Stunden lang die Aufmerksamkeit der Zuhörer, als er in freiem Vortrag über seine reichen Erfahrungen in und mit China sprach und darüber, dass dieses Land mit seinen 1,4 Mrd. Einwohnern bei uns nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die ihm als stärkstem Handelspartner Deutschlands und als boomender Großmacht zukommt.

 
Seit den 70er Jahren ist China zur globalen Wirtschaft- und Technologie-Supermacht aufgestiegen. Marktwirtschaftliche Reformen, die staatlich gelenkte Industriepolitik, die extrem hohe Exportquote und die massiven Investitionen in Infrastruktur und Bildung sind zusammen mit den niedrigen Produktionskosten, der riesigen Arbeitskräftebasis, der strategischen Förderung von Hochtechnologie und der Einbindung in globale Handels-netzwerke die Basis für den Aufstieg und für positive Prognosen.

Brandts eindrucksvolle Powerpoint-Präsentation auf der fast 50 Quadratmeter großen Leinwand fand viel Zustimmung, als er die allzu späte Beschäftigung auch der neuen Regierung unter Kanzler Merz für das Land kritisierte. Man war sich einig, dass der aktuelle Zweitagesbesuch der Politiker und 30 Unternehmer aus Deutschland in dieser Woche längst überfällig war. Brandt forderte eine „neue, klarere und realistische China-Strategie“, die Entwicklung einer klaren Linie in der deutschen Politik und ein Ende der „Politik durch Unterlassen“.

Etwas zu viel Raum nahm im Vortrag die Beschäftigung mit dem „China-Bashing“ in Politik und Medien ein. Die Liste tatsächlicher oder angeblicher „Narrative“ zum Nachteil Chinas in der Wahrnehmung bei uns und im Westen allgemein war lang, wobei nicht immer klar war, ob die Dutzende der genannten Beispiele tatsächlich Narrative sind, also scheinbar leicht verständliche Erzählungen, um die Wahrnehmung der Menschen zu prä-gen oder auch zu manipulieren.

Dabei reicht ein Blick auf die Fakten, um die Bedeutung Chinas für Deutschland, für Europa und letztlich auch weltweit klarzumachen. Und Brand hat sicher Recht, dass es Realitätsverweigerung wäre, dieses Land nicht als zentrale aufsteigende Macht in der Welt wahrzunehmen.
Die Technologieführerschaft, die Dominanz bei den seltenen Erden, sein unverzichtbarer Beitrag bei Themen der Klima- und Umweltpolitik verlangen sicher eine neue strategische Ausrichtung der deutschen Politik – weg vom Mythos der „Gelben Gefahr“, verlangen auch, die rund 70 Millionen Auslandschinesen zur Kenntnis zu nehmen, die längst weltweit zu einer immer noch weit unterschätzten Größe in der Weltwirtschaft geworden sind.

In Brandts Worten: „China ist maßgeblich, maßgeblicher sind die Chinesen.“ Der zentrale Satz des Unternehmensberaters mit großer Erfahrung: „Deutsch-land braucht keine moralische Selbstinszenierung auf der Weltbühne, sondern eine nüchterne, interessengeleitete strategische Außen- und Wirtschaftspolitik.“

Wie groß da die Defizite sind, zeigte er anhand der paradoxen Tatsache, dass China erst realistischer und weniger feindselig gesehen wird, seit Donald Trump in seiner zweiten Amtszeit bisher lieb gewordene und bequeme Sicherheiten in Frage stellt.

Text und Bilder: Christoph Eichhorn